Manche Leute glauben, eine Story ist erst dann eine Story, wenn eine Verwandlung eintritt; wenn sich eine Person verändert, etwas lernt und sich von dem Augenblick an anders verhält.

Heute wollen wir uns daher mit der kleinstmöglichen Story beschäftigen.

Speck ab – Die Story-Diät

„Kalter Wind peitschte über das Feld, der Hagel prasselte auf die Erde nieder.

Für das Eichhörnchen, das nach dem Versteck voller Eicheln suchte, welches es sich im Sommer angelegt hatte und jetzt nicht wiederfand, eine kaum auszuhaltende Situation.

Doch unter ihm in der Erde schlummerte eine Eichel und träumte davon, zu erwachen, zu wachsen und die warmen Sonnenstrahlen zu spüren, die dort oben existieren mussten.“

Ist dies eine Story?

Und ob. Man könnte mindestens zwei daraus machen!

„Der gestrige Anblick eines eingeschlagenen Schädels aus der Steinzeit ließ mir das Blut in den Adern gefrieren.“

Ist dieser eine Satz ohne weitere Hintergrundinformationen auch eine Story?

Unbedingt.

„Eiseskälte!“ – Ist das wirklich noch eine Story?

Ja. (Aber vermutlich keine besonders gute.)

leckere Torte

Der Story Kern

Der Schriftsteller Edward Morgan Forster sagte: „Der König starb und dann starb die Königin. Das ist eine Geschichte. Der König starb und dann starb die Königin aus Trauer. Das ist ein Plot.“

Mit wenig Aufwand sind wir also sogar bereits über die Grenze einer reinen Story hinausgesegelt. Plots, das sind schon ganz andere Gewässer. Eisberg voraus!

Heute geht es jedoch überhaupt nicht darum, ferne Gewässer zu erkunden. Heute geht es um die Vorteile, zuerst einmal das kleinstmögliche Gewässer mit Bojen zu markieren, um den Kern einer Story kennenzulernen und für sich persönlich besser nutzbar zu machen.

Anker die Yacht und hol die Schwimmflügel raus!

Krone

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Bunte Frau

Setze die Emotion vor die Handlung

Denke daran, dass Du schreibst, um gelesen zu werden. Dass Du sprichst, weil Du willst, dass Menschen Dir zuhören.

Ein Tatsachenbericht lebt nicht davon, dass er Tatsachen aneinanderreiht. Er lebt davon, dass er interessant genug ist, gelesen oder gehört zu werden.

Wichtiger als Tatsache, Handlung und Verwandlung ist die Emotion.

Malst Du ein schönes Bild, sind die Betrachter bereit sich darauf einzulassen. Je schöner das Bild, umso eher werden sie sich auch mit einer Botschaft auseinandersetzen, welche sie in dem Bild entdecken.

Kommunizierst Du aber lediglich eine nackte Botschaft, ohne sie spannend, unterhaltsam, amüsant oder auf andere Weise emotional aufzuladen, dann kommt sie wahrscheinlich nicht an, und wenn sie noch so klar und eindringlich formuliert wurde.

Nimm das mit dem Bild wörtlich: Menschen schauen sich gerne Bilder an. Noch besser, wenn sie dazu eine Story präsentiert bekommen, aber diese ist so optional wie der Plot.

Und Menschen sehen sich ein Bild noch lieber an, wenn es in einem schönen Rahmen steckt. Wenn der Rahmen schön genug ist, kannst Du sogar auf das Bild verzichten – Leute kommen und machen Fotos!

Bilderrahmen

Schreibe ein Bild, rahme es ein, entferne das Bild

Es gibt Geschichten, die von der Handlung leben. Nimm die Handlung raus, und zurück bleiben etwas Staub und Langeweile.

Manche Autoren erschaffen nur eine rudimentäre Kulisse, wie die Berge und Bäume aus Pappmaché im Laientheater. Die Handlung soll davon ablenken.

(Stell Dir vor, James Bond verfolgt den verschlagenen Bösewicht mit einer Wasserpistole im Trabbi. Wenn die Kamera immer nur Bonds angespanntes Gesicht in Großaufnahme zeigt, dann merkt es schon keiner.)

Und dann gibt es Geschichten, die sind durch und durch schön, wie eine Rose. Nimm die Handlung aus einer solchen raus, und sie bleibt schön.

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose!

Übung für Handlungslosigkeit

Es ist eine gute Übung, einfach nur eine schöne Szenerie zu beschreiben. Ohne dort eine Aufführung starten zu lassen, die mit einer starken Verwandlung endet, in welcher eine graue Maus sich zu einen bunten Hund verändert.

„Der kleine Spatz lag im Schnee und rührte sich nicht, die Augen halb geöffnet.“

Beschreibe eine Situation, die Emotionen auslöst, einfach auf Grund des dramatischen, lustigen, spannenden Bildes!

Entscheide Dich, welche Emotion dies sein soll.

Dann hast Du eine Grundlage für eine Story, die für sich alleine stehen kann.

Poste dieses Bild in den Kommentaren, damit Du andere Schreiber damit inspirierst und motivierst.

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P.S.

Ich weiß nicht, ob es Dir aufgefallen ist, denn ich habe die Situation absichtlich subtil gehalten, um hier zum Schluss nochmal darauf zurückzukommen. Mit meinem Bild vom Eichhörnchen und der Eichel habe ich ein Dilemma geschaffen: Entweder muss das Eichhörnchen weiterhin hungern oder die Eichel wird niemals zum Baum erwachen. Ein tragisches Bild.

Fotos von Unsplash:
„Glaskugel“ von Sven Fischer
„Bilderrahmen“ von pine watt
„Torte“ von Annie Spratt
„Bunte Frau“ von Cristian Newman
„Krone mit Perlen“ von Ashton Mullins