Byron stand kampfbereit vor dem Kühlschrank.

„Niemand rührt mein Essen an“, drohte er mit geballten Fäusten.

Die hungrige Meute – Talon, Myka, Syron und Lokafir – hatten sich vor ihm aufgebaut und verlangten Zugang zu Nahrungsmitteln.

Eines der Lichter an der Decke flackerte wie verrückt und repräsentierte damit die nervöse Stimmung im Raum.

„Hunger“, bellte Talon aggressiv und schüttelte seinerseits die Fäuste.
„Du Egoist“, schimpfte Myka auf Byron und zeigte ihm einen Vogel.
„Rück schon was raus, Du Verräter – wir sterben“, rief Syron aufgebracht.
Lokafir verschränkte die Arme vor der Brust und zog einfach nur eine finstere Miene.

Die Dragontail trieb seit fünf Tagen im interstellaren Raum. Es war nicht aussichtslos. Der Antrieb konnte wieder in Gang gesetzt werden. Die Reparatur würde jedoch noch geschätzte zwei Tage benötigen. Die Vorräte der Kantine hatten nur eine Verzögerung von drei Tagen eingeplant, denn es war ihre erste gemeinsame Mission, und sie war nicht unbedingt professionell geplant worden. Byron hatte als einziger einen eigenen Kühlschrank an Bord gebracht.

Die Situation drohte außer Kontrolle zu geraten. Es sah so aus, als würde der hungrige Mob in diesem Augenblick auf Byron stürzten.

Plötzlich öffnete sich der Kühlschrank hinter Byron. Große, schwarze und mit Stacheln ausgestattete Tentakeln schoben sich durch die Öffnung, ergriffen Byron, der seine vier Schiffskameraden überrascht anschaute, und zogen ihn innerhalb von einer Sekunde ins Innere des Kühlschranks.

Ein Tentakel kam nochmal hervor und schloss den Kühlschrank.

Niemand rührte sich. Die Augenblicke verstrichen.

„Das … kam jetzt … überraschend“, sagte Talon schließlich.
„Jetzt hab ich gerade gar keinen Hunger mehr“, murmelte Myka.

Der Ärger schien verflogen.

„Aber später kümmern wir uns um die Calamari“, grummelte Syron und erntete stumme Zustimmung. Später.

„Zum Glück ist das ein Kühlschrank von StellaCoolings“, erklärte Lokafir zuversichtlich. Er schlenderte ganz gelassen zum Kühlschrank und aktivierte den „Cool and Save in Space“-Schalter. Schlösser rund um den Kühlschrank schnappten zu. Lokafir lehnte sich siegessicher gegen den Kühlschrank und lächelte die anderen an. Der Kühlschrank polterte kurz – in seinem Inneren hatte es wohl eine heftige Bewegung gegeben. Lokafir blieb völlig unbeeindruckt.

„Die Ladung sichern – daran hätte Byron mal vorher denken können“, rief Myka im anklagenden Tonfall.

„Der denkt halt immer nur ans Essen“, behauptete Talon vorwurfsvoll.

Sie verließen den Raum, denn plötzlich hatten sie alle etwas zu tun.

Drei Tage später kamen sie auf der Raumstation von Tionisla an, verkauften das Schiff zu einem Spottpreis und kauften sich gemeinsam ein Restaurant auf der Station. Die ersten Tage waren sie ihre eigenen besten Gäste.

Über den Vorfall wurde nie wieder gesprochen, aber seitdem vertrauten sie nur noch Kühlschränken von StellaCoolings!