Über die Frage, wer der Held in deinen Geschichten sein sollte, und welche Rolle DU spielen solltest.

Wolfgang erzählte begeistert von seinem Abenteuer im Freizeitpark. Er schwärmte davon, wie er verschiedene Karussells ausprobiert hat, wie er an diversen Ständen mit Fastfood und Süßigkeiten sein Geld gelassen hatte, mit wem er über was gesprochen hatte und dass er dort möglichst bald mal wieder hin wollte.

Lupine langweilte sich bei seinen Ausführungen. Sie holte sich zwischendurch einen Joghurt und aß ihn, kochte Kaffee und konnte schließlich der Versuchung nicht widerstehen, gähnend einen Blick auf ihr Handy zu werfen. Dann schlief sie auch noch während der Erzählungen ein.

Wolfgang schmollte. Was hatte er falsch gemacht?

Mach dein Publikum zum Helden

Eine Story ist interessant für uns, wenn wir uns mit der Hauptfigur identifizieren können. Je ähnlicher uns der Held (natürlich immer auch die Heldin) der Geschichte ist, umso sympathischer ist uns tendenziell auch die Figur. Einer Person wie uns wünschen wir Glück und Erfolg. Wir können die Emotionen einer anderen Person besser nachempfinden, je ähnlicher sie uns ist.

Kurz – Eine Story finden wir toll, wenn wir die Hauptfigur betrachten und denken: „Das bin ja ich!“

Je ähnlicher uns die Person ist, von der wir lesen oder hören, umso eher verstehen wir ihre Handlungen, Unglücke und Fehlschläge. Umso größer ist aber auch die Chance, dass wir von den Erkenntnissen profitieren, welche die Figur auf ihrer Reise macht. Wir können etwas lernen und das Gelernte in unser Leben integrieren.

Eine der Aufgaben des Storytellings ist es, uns wichtige Informationen gehirngerecht aufzubereiten und zu vermitteln!

Superman

Storytelling im Business

Verkaufst Du Produkte oder Dienstleistungen? Dann ist der Zusammenhang besonders einleuchtend: Der Kunde interessiert sich nicht für die Lösung deiner Probleme, sondern für die Lösung seiner eigenen. Nicht dafür, was DIR geholfen hat. Er will wissen, was IHM hilft.

Wer sich ständig selbst in den Mittelpunkt seiner Geschichten stellt, gilt bald als Schwätzer und Wichtigtuer. Wer es gut macht, der ist immerhin als Unterhalter gerne gesehen. Ansonsten erzieht er sein Publikum eher dazu, bei seinen Ausschweifungen abzuschalten.

Keine Sorge: Es gibt auch Raum für Geschichten, in denen Du der Held bist. Aber die Leser und Hörer begeistert sich immer vor allem für Geschichten, in denen sie sich selber wiederfinden.

Wer ist also der Held? Immer der, den Du begeistern willst.

Mirror-Man

Warum der Held auch mal ein Toaster sein darf

Menschen besitzen an und für sich eine ausgezeichnete Identifikationsfähigkeit. Wenn wir einen traurigen Hund sehen, dann lassen wir uns emotional anstecken. Wir sind in der Lage, Leid, Angst und Schmerz in vielen anderen Lebewesen wiederzuerkennen und die Emotionen und Gefühle nachzuempfinden. Das geschieht über die sogenannten Spiegelneuronen in unserem Gehirn.

Du kennst vielleicht Filme wie Wallie, Nummer 5 lebt oder andere Geschichten, in denen ein Roboter die Hauptrolle spielt. Dennoch fühlen wir mit.

Warum?

Die Filmemacher überlassen dies nicht dem Zufall. Selbst dann, wenn der Roboter nicht reden und auch nur ganz eingeschränkt Mimik und Gestik zeigen kann – sie zeigen genau die Reaktionen, die uns berühren, in den Situationen, die wir aus unserem eigenen Leben kennen. Und schon besteht die magische Verbindung.

Als Kind las ich die Kurzgeschichte „tapferer, kleiner Toaster“, die mich damals schon gelehrt hat, dass Geschichten uns Mitleid mit Gegenständen vermitteln kann. Und zwar einfach deswegen, weil sie menschliche Züge aufweisen, durch welche wir uns mit den Dingen identifizieren können. Diese Geschichte wurde später sogar verfilmt.

(Wenn wir einem Gegenstand menschliche Eigenschaften zuschreiben, nennt sich das übrigens Antropomorphismus.)

Natürlich ist es gerade bei so einem „ganz entfernten Verwandten“ notwendig, genau darauf zu achten, dem Toaster, dem Roboter, dem Fisch oder dem Einhorn die menschlichen Eigenschaften zu geben, über die wir unser Publikum abholen wollen. Der Identifikationsfaktor.

Küchen-Utensilien

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Wer willst Du lieber sein – Gandalf oder Frodo Beutlin?

Obwohl Du nicht immer der Held deiner Geschichten sein solltest, heißt das nicht, dass Du gar nicht darin vorkommen sollst. Gerade im Business-Bereich ist es nützlich, wenn Du in der Story die Rolle eines Mentors einnimmst.

Ein Mentor hat die Reise des Helden meist schon erfolgreich hinter sich gebracht. Jedenfalls hat er die Kenntnisse und Fähigkeiten, die es braucht, um den Helden auf den rechten Weg zu bringen, damit dieser sein eigenes Ziel erreichen kann.

Bei Herr der Ringe ist der kleine Hobbit Frodo Beutlin der Held, der eine lange und qualvolle Reise auf sich nimmt, um sein Ziel zu erreichen. (Nicht weniger als die Rettung der Welt, natürlich.)

Doch dies schafft er nur mit Hilfe des alten und weisen Zauberers Gandalf, der ihn immer mal ein Stück des Weges begleitet, ihm gelegentlich hilft und immer zur rechten Zeit etwas Tiefsinniges sagt, das dem Helden hilft, seinen Weg zu finden oder weiterzugehen.

Wichtig dabei ist, dass selbst Gandalf nicht einfach eine statische Figur ist, sondern sich selbst weiterentwickelt; seine eigene Heldenreise durchläuft.

Treue Fans des Schriftstellers Tolkien wissen, dass Gandalf ein Halbgott ist, und auch unter den Göttern und Halbgöttern der Kampf zwischen Gut und Böse ausgefochten wird. Auch der Zauberer strauchelt mal und weiß ab und zu nicht weiter – und stirbt sogar tatsächlich in der Story, findet jedoch aus dem Totenreich zurück ins Leben, um Frodos Heldenreise weiter zu unterstützen.

Wenn Du also deinen Kunden zum Helden seiner Reise machst, dann ist für Dich der rechte Platz an seiner Seite.

So wie auch ich schon einmal einen Leser hatte, der fast genau so war wie Du. Er wollte Storytelling lernen, und bevor ich ihm mit dem StoryRudel-Blog zu Ruhm und Ehre verhalf, fragte er mich – aber ach, das ist eine andere Geschichte.

Keramik-Mentoren

Wolfgangs Erkenntnis

Nachdem Lupine ausgeschlafen hatte, erzählte Wolfgang noch einmal von einem Abenteur im Freizeitpark. Er erklärte Lupine, welche Karussells ihr wohl gefallen würden, welche ihrer Lieblingsspeisen dort auf sie warteten und wo sie wahrscheinlich Leute treffen würde, welche mit ihr gemeinsame Interessen teilen würden. Und er könnte sie zu all diesen Plätzen führen.

Lupine war begeistert. Am nächsten Tag fuhren sie zusammen hin.

Hund Tiffy

Deine Aufgabe, oh Mentor

Suche Dir einmal in Gedanken eine Person aus. Kannst Du ihr mit einer Geschichte helfen? Kannst Du ihr einen Sachverhalt erläutern, eine wichtige Information vermitteln, eine nützliche Handlungsweise an die Hand geben? Egal, ob es ein Produkt, eine Leistung oder einfach eine Idee ist. Wie müsste die Geschichte beschaffen sein?

Mit was für einer Figur könnte diese Person sich tief identifizieren? Und wo kommst Du in der Geschichte vor, um dieser Person zu helfen, ihr Ziel zu erreichen?

Hast Du womöglich schon mal jemandem durch eine Geschichte geholfen? Sei es eine reale oder ausgedachte Geschichte?

Erzähle deinem Rudel davon, gleich hier in den Kommentaren.

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Fotos von Unsplash:
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