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Der Story-Baukasten

Willst Du eine großartige Geschichte schreiben? Hast Du eine Schreibblockade?

Mit einem Plan ist alles einfacher.

Benutze diesen simplen Story-Baukasten, um eine erste Grundstruktur zu erstellen.

Die Heldenfigur

Auch hier fängst Du an mit einem Satz, den Du vervollständigen sollst. Vervollständige den Satz: “Es war einmal ein(e) …”

Oder beantworte die Frage: “Wer hat in meiner Geschichte die Hauptfigur?”

Garantiert fällt Dir dazu etwas ein, innerhalb von Sekunden. Wahrscheinlich gehen Dir sogar etliche Worte durch den Kopf.

Vielleicht denkst Du aber auch erst, dass Dir dazu gar nichts einfällt, doch dann bemerkst Du, dass Du deine Gedanken zensierst.

Vielleicht fällt Dir zum Beispiel ein: “Es war einmal ein Baum.”

Und dann denkst Du Dir: “So ein Unsinn. Wie soll ich mir denn jetzt eine Geschichte von einem Baum ausdenken?”

Dann verwirfst Du den Gedanken wieder. Und hunderte weitere Ideen, die Dir einfach nicht gut genug erscheinen.

Stopp! – Lass uns mal kurz mit diesem “nicht gut genug”-Glaubenssatz aufräumen.

Es gibt kein “nicht gut genug”

Kennst Du den Baum aus dem Film Avatar, der die Ahnengeister der Ureinwohner beherbergt und vor unseren Augen die Seele dieser Wissenschaftlerin aufnimmt? Oder den laufenden “Baum” namens Groot, der in Guardians of the Galaxy eine Hauptrolle dabei spielt, die Galaxis zu retten? Die Trauerweide namens “alter Weidenmann”, die J.R.R. Tolkien aus der Feder geflossen ist?

Ein Baum ist anscheinend nicht die schlechteste Idee!

Vielleicht fallen Dir auch Beispiele von Büchern oder selbst Hollywood-Filmen ein, in denen es andere “verrückte” Hauptdarsteller gibt? Tiere, Insekten, Geister, Aliens, Spielzeug-Figuren, Toaster?

Indem Du Dir solche Beispiele vor Augen hältst, kannst Du Dir selbst dabei helfen, deine allzu strenge Zensur zu lockern.

Bleib doch einfach mal kurz bei der Übung und schreibe 20 oder mehr Dinge auf, die “einmal waren”. Mache einfach eine Liste. Du hast dann die freie Auswahl.

Eine Variante dieser Vorgehensweise funktioniert folgendermaßen:

Beschreibe erfolgreiche Filme so, dass sie niemand würde sehen wollen.

Ein Fisch streitet sich mit seinem Sohn, der daraufhin verschwindet. Nun muss er ihn suchen. Unterwegs hilft ihm ein anderer Fisch mit ADHS-Syndrom.

Ein Bauernjunge verlässt seine Heimat, findet raus, dass er magische Kräfte hat, dass seine Schwester eine Prinzessin ist und sein Vater der Tyrann einer ganzen Galaxis. Er tötet seinen Vater, verliert dabei aber eine Hand, die durch eine Roboterhand ersetzt wird. Sein Mentor ist ein kleiner Rätselgnom, der in einem Sumpf auf einem ansonsten öden Stein wohnt und nicht richtig sprechen kann.

Bestimmt hast Du sowohl “Findet Nemo” wie auch “Krieg der Sterne” wiedererkannt. So beschrieben hast Du vielleicht keine weitere Lust, die Geschichte näher kennenzulernen. Und doch waren sie unglaublich erfolgreich.

Manchmal erscheinen uns also Geschichten schlecht, weil sie schlecht formuliert sind. Verwirf sie nicht gleich, nach einem Umformulieren hast Du vielleicht den nächsten Bestseller auf dem Papier.

Heldenfigur

Die Welt

Deine Story kann in jeder möglichen und unmöglichen Welt spielen, unter Wasser, im Weltraum, in einer magischen Welt, in einer religiösen, in einem oder in mehreren Paralleluniversen; und das alles zu einer x-beliebigen Zeit, wenn nicht sogar zu mehreren Zeiten.

Für eine Welt kann man ebenfalls einen umfangreichen Baukasten benutzen: Welche Lebewesen existieren in der Welt, welche Beziehungen führen sie untereinander, welche Rohstoffe gibt es, welche Götter beherrschen die Welt und mischen sie sich aktiv ein, welche Naturgesetze wirken, uvm.

Die Welt kann sich aber auch ganz spontan mit jedem Satz deiner Geschichte entwickeln.

Diese zwei gegensätzlichen Ansätze nennt man “Bottom-Up” (von Grund auf ausarbeiten) und “Top-Down” (sich mit der Story entwickeln lassen).

Globusse

Jetzt hast Du zwei Möglichkeiten, wie es im Story-Baukasten weitergehen soll: Problem oder Begegnung.

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Das Problem

Vervollständige den Satz: “Die Heldenfigur hat ein Problem mit …”

Jetzt kennst Du das Spiel bereits, oder?

Womit kann man ein Problem haben? Oder vielleicht sogar: Womit hast DU ein Problem, das Du der Heldenfigur aufs Auge drückst? Oder hat jemand anders ein Problem, das Dir in den Sinn kommt? Gibt es ein bestimmtes Problem, für das Du gerne eine Lösung beschreiben möchtest? Das wäre natürlich ideal!

Eine Begegnung

Es muss nicht immer gleich ein Problem sein. Das ist ein beliebtes und bewährtes Standard-Muster, aber es ist ja auch schön, mal etwas anderes zu machen.

Unsere Heldenfigur erlebt also ihren ganz normalen Alltag, doch eine Begegnung krempelt mit einem Schlag ihr ganzes Leben um.

Natürlich können sich daraus jede Menge Probleme ergeben!

Vervollständige den Satz: “Die Heldenfigur hat eine unerwartete Begegnung mit …”

Ritter unter riesigem Schuh

Strukturen stricken

So kann es weitergehen. Du kannst ein vorgegebenes Schema vervollständigen, wie “Held, Problem, Überwindung, Botschaft”, weitere Probleme und Begegnungen erschaffen oder Dir völlig frei selber Stationen in der Geschichte ausdenken.

Ein Mentor ist auch immer eine wichtige Figur. Jemand, der deine Heldenfigur berät oder auch begleitet, möglicherweise inspiriert.

Beantworte die Frage “Was passierte dann?” oder such Dir ein Element aus der Heldenreise oder einem beliebigen anderen Schema, mit dem Du weitermachen möchtest, und beantworte die Frage, womit dieses Element ausgefüllt werden soll.

Puzzleteile

Das Ende

Fahr nicht ohne Ziel ins Blaue! Jede Geschichte endet irgendwann, oder zumindest eine Etappe; eine Folge bei einer TV-Serie, ein Band einer Bücher-Reihe.

Jedes Ende sollte auch einen gewissen Abschluss mit sich bringen.

Auch ein offenes Ende kann interessant sein, aber der Leser sollte für gewöhnlich nicht einfach in der Luft hängen gelassen werden.

Er soll ja auch in Zukunft Geschichten von Dir lesen wollen.

Dieser Tipp kann für manche Schreiber wirklich hilfreich sein, aber für andere funktioniert er nicht:

Das Ende solltest Du am besten wissen, bevor Du überhaupt das erste Wort geschrieben hast!

Denn wenn Du weißt, wohin die Reise gehen soll, dann wird auch der Weg für Dich klarer.

Und daher kann es sogar noch eine bessere Übung sein, wenn Du hier anfängst, deine Story zu planen.

Vervollständige den Satz: “Alles endet damit, dass …”

aus der Passage ins Licht

Tausend Geschichten auf einem Blatt

Richtig kreativ kannst Du werden, wenn Du diese Übung ein paar Mal durchgehst.

Stell Dir einmal vor, Du hättest ein ganzes DIN A4-Blatt voll von Story-Vorlagen. Oder einen ganzen Block, eine große Datei voll.

Aus jeder einzelnen Vorlage kannst Du komplett verschiedene Geschichten machen, je nachdem, welche Details Du einbaust.

Und ebenso wird eine ganz andere Erzählung daraus, wenn Du Dir Gedanken zur Atmosphäre machst: Soll die Story albern sein? Spannend? Gruselig?

schwebendes Buch

Fülle deine Schatzkammer

Es ist gut und sinnvoll, die Übung immer wieder zu machen und damit deine Kreativität in Gang zu setzen.

Aber bewahre Dir deine Vorlagen trotzdem gut auf. Erstelle Dir dafür eine Mappe, einen Ordner oder eine Datei auf deinem Computer.

Die Sammlung alleine hilft Dir vielleicht auch bereits, inspiriert zu werden und Blockaden in Zukunft schnell und lachend zu überwinden.

Es ist aber ebenfalls schön, eine Schatzkammer betreten zu können und sich einfach eine schöne Perle rauszusuchen.

Manche Ideen reifen und werden erst gut, wenn sie lange genug hin und her gewendet und betrachtet wurden, deshab gib ihnen Zeit.

Viel Spaß mit deinen Schätzen!

leckere Torte

Jetzt bist Du gefragt!

Wie hilft Dir der Story-Baukasten?

Welche der Methoden wendest Du an? Fehlen Dir Elemente, die ergänzt werden sollten?

Was hilft Dir sonst noch, Schreibblockaden zu überwinden?

Gib deine Antworten in den Kommentaren.

Teddybär im Feld

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Fotos von Unsplash:
“Werkzeug” von Cesar Carlevarino Aragon
“Held” (Deadpool) von Ayo Ogunseinde
“Welten” von Lena Bell
“Ritter” von James Pond
“Puzzle” von Hans-Peter Gauster
“Passage” von Chris Lao
“schwebendes Buch” von Jaredd Craig
“Torte” von Annie Spratt
“Teddy” von Alex Blăjan
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Von Marten

Der Wort-Zauberer, Storyseller, Buchautor, Science Fiction Biograph, Chefredakteur. Hypnosecoach und Heilpraktiker in Ausbildung. Schreibt Geschichte - auch Deine ;-)

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